In Japan herrscht Nervösität. Sollten sich im Nikkei am heutigen Handelstag keine Käufer finden, die auf die Fortsetzung der Kursrally vertrauen, wird eine weitere Verkaufswelle starten. Bei weiteren Kursverlusten um 7% steigt die Gefahr, dass ein totaler Aktiencrash einsetzt.
Warum verlassen Investoren panikartig den japanischen Aktienmarkt? Der Auslöser sind nicht miese Konjunkturdaten aus China (link), Spekulationen um Offenmarktausschuss Sitzungsprotokolle, oder Bernankes Gewäsch zu QE Einschränkungen (link,link,link) . (Wir wissen, die Fed kann QE Infinity nicht zurückfahren ohne den Aktienmarkt zu crashen.)
Die Hauptgründe dürften sich in der enormen japanischen Geldmengenausweitung (Verdopplung der monetären Basis innerhalb von 2 Jahren) finden, deren Konsequenzen von der BOJ falsch eingeschätzt wurden. Zuletzt waren die Konjunkturindikatoren positiv und deuteten auf eine anziehende Wirtschaft hin. Wenn das japanische Abenomics-Programm die Marktteilnehmer überzeugt, dass es die Konjunktur beschleunigen kann und die Inflation steigen wird, werden diese einen Zinsanstieg antizipieren und als Bond Verkäufer auftreten. Das ist der Grund, warum wir in den letzten Tagen die JGB Verkaufswelle und die explodierenden Zinsen für Staatsanleihen beobachten konnten. Und die charttechnische Lage deutet darauf hin, dass das Hoch in den Zinsen noch nicht erreicht ist.
Die Zinsen werden weiter steigen, was die japanische Regierung mit öffentlichen Schulden von über 200% in eine fatale Lage bringt. Damit hat die BOJ den gegenteiligen Effekt erzielt, den sie mit den Bond Käufen eigentlich auslösen wollte. Das BOJ Bond Kaufprogramm ist zu gering, um den Verkaufsdruck der Märkte zu absorbieren, doch eine noch radikalere Geldmengenausweitung wird womöglich zu noch höherer Inflationserwartung und noch größerer Nervösität der Marktteilnehmer führen.
Entscheidend ist nun, wie man darauf reagiert. Der japanische Wirtschaftsminister Amai hat bereits verlautbart, es bestehe keinerlei Grund zur Sorge, Japans Wirtschaft sei solide. Folgt man jedoch weiter der alles-ist-sonnig Meme, könnte das den Kollaps bedeuten.
Stattdessen muss die Regierung eingestehen, dass die Lage ernst ist und man mit aller Konsequenz darauf reagiert. Die BOJ muss den Marktteilnehmern jetzt glaubhaft versichern, dass man ein bestimmtes Inflationsziel (z.B 1,5%) fixiert und eine höhere Inflationsrate auf keinen Fall in Kauf nimmt. Sie muss vom monetary-base-targeting Abstand nehmen. Das wird die Antizipation weiter steigender Zinsen neutralisieren, die JGB Verkäufe eindämmen und den Aktienmarkt, zumindest vorübergehend, beruhigen.
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